Beim Fliegen sind zwei Dinge extrem wichtig: Sich nicht zu überschätzen und Entscheidungen früh genug zu treffen. Das hat hier nicht gut funktioniert und in einem großen Schaden am Verein geendet. Mehr als eine Fehleinschätzung hat bei diesem Flug zum letztlichen Unfall geführt, also das typische Käsescheibenmodell. Ich werde von Anfang bis Ende alle Käsescheiben durchgehen, die das Ergebnis verhindert hätten.
Los ging alles nach dem zweiten Windenstart dieses Tages; der Thermikeinstieg ging gut sowie der erste Bart, der bis an die Basis reichte, wonach ich entschied nach Norden ab zu fliegen. Das war der erste Fehler, denn sämtliche Flüge der letzten Wochenenden haben mit einer Landung auf einem anderen Flugplatz geendet. So wäre es besser gewesen, lieber im Gleitbereich zu bleiben und noch zu trainieren, bis es wieder vom Platz weg geht. Der Trugschluss lag in dem Fall in der Ansicht dass die Thermik gut und zuverlässig ginge. So dachte ich, es würde kein Problem sein, eine kleine Runde außerhalb des Platzbereiches zu fliegen. Das war hier eine Überschätzung meiner eigenen Fähigkeiten und der Bedingungen, da in der Warmluft die Thermik unten heraus nicht so gut zentrierbar war, wie ich es bisher immer hatte. Somit war Fehler eins das unüberlegte Verlassen des Platzes. Käsescheibe eins.
Der nächste war die weiteren Bärte nicht voll aus zu kurbeln, da sie ab einer bestimmten Höhe auf einmal schwächer geworden sind. Das war ein Fehler da es bei diesem Flug nicht mal um den Schnitt ging und ich damit meine Sicherheitsreserven eliminiert habe. Käsescheibe zwei.
Als ich mich dann zum Umdrehen entschieden habe, habe ich einen Bart stehen lassen in dem ich kurz zuvor noch gekreist habe und wollte mich auf eine Stelle stützen an der ich schon einmal tief noch Thermik gefunden habe. Die habe ich aber nicht getroffen also bin ich weitergeflogen. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon weit unter Gleitpfad, was ich aber nicht wahrgenommen habe. Käsescheibe drei.
Nicht gesehen habe ich das nicht weil ich kein Navigationsgerät dabei hatte. Ein Umstand der meinerseits mangels einer Backup-Option zu den Oudies, die alle nicht funktioniert haben, zustande kam. Für mich erschien das Anfänglich nicht als Problem, denn ich wollte heute nicht weit weg und ich kannte die grobe Höhe in der ich alle Lufträume vermeiden würde. Letztendlich war auch das ein Trugschluss, das Airglide zeigt zwar auch Endanflughöhe auf Königsdorf, diese Infobox war nur nicht auf dem Display. Käsescheibe vier
Das hat dafür gesorgt dass ich an guten Außenlandeoptionen bei Wolfratshausen vorbeigeflogen bin, weil ich noch dachte, dass es bis zum Platz reicht. Der Höhenmesser hing hinterher bis ich drauf geklopft habe. Hier lag der Fehler in der “Gettheritis”. Die “Getthereitis” bezeichnet den Drang unbedingt ein räumliches Ziel zu erreichen und das meist in Ausblendung sämtlicher anderen Gegebenheiten. Auch kann das heißen dass eine Außenlandung krampfhaft gemieden wird, so wie hier. Sie führt oft zu Unfällen oder kritischen Situationen. Sie hat leider bei mir eingesetzt, da ich an dem Tag früher gehen wollte. Käsescheibe fünf.
Die initiale Entscheidung zur Außenlandung kam viel zu spät in 180m über Geretsried, wo die Felder deutlich schlechter waren. Die verbleibende höhe habe ich dann damit verschwendet, dass ich die Felder angesehen habe, da auf allen der Bewuchs schon recht hoch war. In 50m AGL habe ich mich dann fest für eine Wiese entschieden ( wieder viel zu spät ) und habe dann aus Panik den Anflug nicht korrekt ausgeführt. Käsescheibe vier.
Ich bin aus dem Inspizierkreis direkt in die Anflugkurve eingedreht, was zu einem zu steilen Endanflug führte. Käsescheibe sechs.
Durch diesen hat das Ausschweben zu lange gedauert und ich bin mit zu hoher Fahrt in den Bewuchs aufgesetzt. Dann habe ich erst gemerkt dass eine Fläche hängt und habe versucht, einen zu großen Schaden zu verhindern, indem ich voll nachgedrückt habe. Darauf hat der Flieger sich gedreht und ist über das Hauptrad gedriftet. Dann ist das Fahrwerk eingeklappt und der Rumpf ist noch gut 5 Meter weiter gerutscht, bis er zum Stehen kam.
Im Nachgang gibt es jetzt einiges zu tun, Ich persönlich habe entschieden noch weiter im Platzbereich zu bleiben und die Grundlagen zu wiederholen. Zusätzlich zu Außenlandeübungen im Mose. Zum Abschluss möchte ich allen lesern noch ein paar Punkte mitgeben mit denen ein solcher Unfall, mit möglicherweise schlimmeren Folgen, verhindert werden kann:
- Fliegt immer passend zu eurem können, wenn etwas nicht gut funktioniert: Trainiert es in einem sicheren Umfeld (Condor oder Platzbereich)
- Lasst eure Sicherheitsreserven nicht aus, habt immer mehr als die benötigte Höhe.
- Behaltet euren Gleitpfad im Auge, wenn es enger wird, versucht noch zu steigen oder macht eine Außenlandung. Außenlandungen sind nichts schlimmes, am Ende des Tages ist es die oberste Priorität dass: Pilot und Gerät möglichst unbeschadet wieder nach Hause kommen.
- Wenn es schon knapp zum Ziel aussieht bleibt bei sicheren Landefeldern. Lieber auf einem Acker sitzen als im Baum hängen.
- Habt immer eine Backup-Option für die Navigation und wenn eure Navigation ausfällt, habt immer viel Sicherheitshöhe.
- Trefft die entscheidung zur Außenlandung nie zu spät, immer über 200m AGL oder sogar höher.
- Fliegt immer einen sauberen Anflug, dafür braucht ihr auch Sicherheitshöhe, damit ihr für alles genug Zeit habt und das Feld ordentlich trefft.
- Landet dem Bewuchs entsprechend
- Lasst euch von nichts vom Faktor Aviate abhalten. Der sichere verlauf eures Fluges ist zu jedem Zeitpunkt wichtiger als alles andere

